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Die Maschine war schon mal von einem der letzten Besitzer “überholt” worden. Allerdings sah dies so aus, dass die gesamte Maschine im zusammengebauten Zustand mit schwarzer Farbe gestrichen wurde.
Vielleicht hat hier ja mal ein Vater versucht, seinem Sohn mit den Worten “hier mach mal einfach” das Hobby Oldtimer näher zu bringen. So wie es aussah, muss aber bald die Lust am “Machmal” verloren gegangen sein. Ob die an den vielen Nasen im Lack oder der in Anspruch nehmenden Zeit lag ist natürlich heute nicht mehr nachvollziehbar. Und so kam die Maschine in die Hände des Vorbesitzers von Klausi. Dieser hatte aber auch nicht so recht Freude an dem Teil. Na ja, ist halt wohl bloß ein oller Zweitakter und am liebsten wäre ihm ein Tausch gegen Vorkriegs- BMW-Teile gewesen.
Damit konnte Klausi nicht dienen, aber 400 € waren halt auch nicht schlecht. Handschlag, Kaufvertrag und schon wurde die Maschine auf dem Anhänger verzurrt und fuhr von einem an’s andre Ende Berlins.
Zuhause in der Garage wurde dann erst mal ausgiebig gegutäugt, fotographiert und Klausi träumte beim Probesitzen von der ersten Fahrt.
In der mitgegebenen Kiste befanden sich Teile wie Krümmer, Endtopf mit Fisch- schwänzen, Spulen- und Zündkasten, ein zerbrochen- er Bing-Vergaser, Kleinteile, usw. usw.
Dennoch fehlten ‘ne ganze Menge wichtiger Teile. Deren Aussehen musste aber erst mal festgestellt werden, bevor die Suche danach losging.
Das zerlegen der Maschine ging dann Ratzbatz. Keine Schraube war festgerostet, keine Mutter wirklich vergurkt. Und so wurde jeder Schritt haarklein dokumen- tiert, damit auch hinterher alles wieder zusammen passt.
Den Primärdeckel hatte ein Vorbesitzer angefangen im “Spirit of St. Louis”-Look zu verschönern. Hier heißt es später polieren, polieren und nochmals polieren, um den original Look wieder herzustellen. Im Zusammen- hang mit dem Spirit-Look fand sich übrigens noch später beim Blankmachen des Tanks grünmetallic- farbener Lack.
Das vordere kleine Primär- Ritzel sitzt in einem Konus auf der Kurbelwelle und ist mittels eines Zapfens zum Mitdrehen verdonnert. Zur Demontage ist ein Abzieher von Nöten. Da dieser nicht existierte, wurde er kurzer Hand selbst gebaut.
Nachdem auf der linken Seite der Primär-Kasten mit seinen Innereien ab war, kam nun die rechte Seite mit dem Batterie-Zünder dran.
Den ersten Schreck gab es beim Öffnen des LUMA- Deckels.
Die Anlage an sich wirkte fast neu, aber einem der Vorbesitzer muss wohl mal der Kollektor-Anker heruntergefallen sein, denn an einer Stelle waren die Wicklungen stark einge- drückt. Hier wird sich später zeigen, ob die Reparatur möglich ist oder neu gewickelt werden muss.
Auch der LUMA-Zünder sitzt auf einem Konus der Kurbelwelle. So half auch hier nur ein großer Univer- sal-Abzieher zum Runterkriegen.
Anschließend konnten die 4 Bolzen, die den Motor halten abgeschraubt werden und der Motor nach oben herausgehoben werden.
Jetzt war die Getriebebrücke dran. Diese ist vorne am Motor in zwei Nasen am Rahmen eingeklemmt. Somit muss der Rahmen ein Stück zusammengedrückt werden, damit er die Getriebebrücke frei gibt. Danach klappt sie nach unten weg. Nach entfernen der hinteren Bolzen liegt sie dann gänzlich vor einem.
Bei unserer Maschine ist ein Mittelständer, wie er serienmäßig nur an den Z- Modellen war, angebaut. Es kann gut sein, dass der Erstbesitzer diese hat nach- träglich anbauen lassen. Im NSU-Stammbuch ist hierzu nicht vermerkt.
Übrigens ergab die Nach- frage bei NSU, dass unsere Maschine am 17.05.1934 an das Auslieferungslager Berlin transportiert wurde. Auf dem vorderen Schutzblech befindet sich noch immer das Händler- Schild “Blach & Hebel” aus Luckenwalde.
Nachdem Primär-Kasten, LUMA-Anlage, Motor und Getriebe nebst Brücke draußen war, wurde das Fahrgestell zerlegt. Zunächst das Hinterrad, dann die Gabel.
An der Gabel waren lediglich die hinteren Augen der unteren Gabellaschen minimal ausgeschlagen. Ein typischer Verschleiß. Der Rest war piko-bello.
Hinweise wie der Zustand der Gabel, der Luma-Zünder und wie sich alles leicht demontieren ließ, weist auf einen geringen Kilometer- stand hin und dass die Maschine wohl die meiste übrige Zeit im trockenen Stand.
Für den Motor wurde vor dessen weiteren Zerlegung eigens ein Motorhalter gebaut.
Anschließend wurden Ansaugkrümmer, Zylinder- kopf und der Zylinder selbst abgeschraubt. Die Lauf- fläche des Zylinders zeigte keinen Verschleiß vom Betrieb. Aber vor uns muss schon jemand den Motor geöffnet haben. Und er muss die Sicherungsstifte der Kolbenringe herausgedrückt und wieder eingesetzt haben. Denn die Lauffläche wies genau dort zwei vetikal verlaufende Kratzspuren auf.
Somit musste also der Zylinder auf das nächst größere Maß geschliffen und dann gehont werden. Ebenso wurde ein Übermaß- Kolben benötigt.
Hier half Lutz SEYFARTH mit dem Tip “fragt mal bei Winfried SCHNEIDER in Meckenbeuren nach, der hat meinen Kolben auch gemacht”. Also ran an’s Telefon und angerufen. Einziges Problem: Bis dato hatte Winfried SCHNEIDER noch keinen Kolben für die NSU 201 ZD bzw. ZDB-Reihe nachgebaut. Beim Kolben von Lutz ist die Leitschaufel des Kolbens genau um 90 Grad gedreht. Für Winfried hieß das: Er braucht einen Musterkolben, den er zersägen kann um dann danach eine Guss-Form zu erstellen.
Also haben wir unseren Kolben, der eigentlich noch Top war, geopfert und ihm als Muster geschickt. Als Dankeschön hat Winfried und gleich noch den Zylinder auf Übermaß geschliffen und einen erstklassigen Kolben geliefert. Nun sind nicht nur wir glücklich, sondern alle anderen NSU 201 Nasen- kolben-Fahrer bekommen bei Winfried einen günstigen Kolben in 1A-Qualität!
Im späten Frühjahr 2004 war alles soweit zerlegt, dass mit dem Blankschleifen von Rahmen, Gabel, Kettenschutz, Kot- lügeln und anderer Klein- teile begonnen werden konnte. Dies erfolgt mittels Flex und aufgeschraubter Drahtbürste. Unter dem schwarzen aufgepinselten Lack kamen neben dem Werkslack auch die gold- farbenen Linierungen zum Vorschein. Diese wurden natürlich auch fotographisch festgehalten, so dass der spätere Linierer eine Vorlage vom originalen hat.
Danach wurden die Teile grundiert, gefüllert und mit 1200-er Nass-Schleifpapier glattgeschliffen. Dann wurden alle Teile erst einmal bei Seite gelegt, denn jetzt kam der Bulli dran.
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