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Motosulm

 

Man schätzt, dass es zu Beginn der 30-er Jahre des vorigen Jahrhunderts allein in Deutschland rund 12,5 Millionen Radfahrer gab. Und die meisten von ihnen hatten auch das Bedürfnis des bequemeren und schnel- leren Vorankommens, auch sie wollten motorisiert sein.

NSU hatte auch dies erkannt und brachte 1931 ein Fahrrad mit Hilfsmotor auf den Markt. Es war das erste Motorfahrrad in Großserie. Den Namen für dieses Modell hatte NSU mittels Preisausschreiben finden lassen: Motosulm.

                            

Der 63 ccm Zweitakt-Motor wurde vorn am Gabelkopf angebracht, diesen hatte man dafür besonders kräftig ausgeführt. NSU begründete die Wahl der Motor- position so: “Selbst für den Laien ist es verständlich, daß der Vorderrad-Antrieb günstiger ist als der Hinterrad-Antrieb, wenn man vergleichend vor Augen führt, daß ein gezogenes Fahrzeug sicherer fährt als ein geschobe- nes; dazu kommt, dass der Zylinderkopf Motors vollkommen frei in der Fahrtrichtung liegt, die Kühlung denkbar günstig ist.” Der Motor trieb über Stirnräder und eine Kette das Vorderrad an. Der Auspuff wurde im Vorderschutzblech inte- griert und somit verdeckt geführt. Ein Getriebe gab es nicht. NSU meinte hierzu begeistert: “Durch das Fehlen des Ge- triebes ist eine wesentliche Störungsquelle ausgeschaltet.” Motor und Antrieb wurde durch eine Mehrscheiben-Kupplung getrennt. Gas wurde über eine Hebelarmatur gege- ben. In der Betriebsanleitung für das Motosulm schrieb NSU u.a.: “Bei plötzlich ein- tretenden Verkehrshindernissen nicht die Geistesgegenwart verlieren, sondern zuerst Kupplungshebel ziehen, dann Gashebel schließen und langsam Vorderradbremse anzie- hen”. Der Rahmen besteht aus Stahlrohren, die hartgelötet sind. Zwecks besseren Fahrkomfort spendierte man dem Rad Ballonreifen. Das Abblenden des Scheinwerfers geschieht durch Schwenken. Der Umlauf- magnetzünder sitzt auf der Kurbelwelle. Den Motor sollte man insbesondere beim Anfahren und an Steigun- gen durch Treten unterstützen. Zur Pflege empfahl NSU alle 100 km die Naben der Laufräder, speziell die des Hinterrades, mit einigen Tropfen Knochenöl zu schmieren. Die Antriebskette ist zu reinigen und frisch einzufetten, Die Ölablaßschraube des Auspufftopfes ist herauszuschrauben und das angesammelte Kondens- wasser abzulassen. Alle 500 km ist das Tretlager zu ölen. Die Brems- und Sattelgelenke plus Lenkstangen- hebel und Bowdenzüge sind einzuölen. Im Vorgelege sind rund 30 ccm SHELL Ambroleum-Fett nachzufüllen. Von Hause aus sind hier 65-75 ccm eingefüllt. Alle 2000 km sind beide Ketten gründlich zu reinigen und frisch einzufetten. Die Lagerstellen der Lenkung sind nach dem Herausnehmen der Vorderradgabel zu rei- nigen und in SHELL Hochdruckschmierfett “Rot” einzubetten.

Im Herbst 1932 wurde das NSU Motorsulm in vielen Punkten verbessert. Es wurde nun ein Kettenschutz um den Zahnkranz am Vorderrad verbaut. Hierdurch sollte beim Herabspringen der Kette ein Blockieren des Vorderades und das damit verbundene Abwerfen des Piloten nach vorn über den Lenker verhindert werden. Ferner gab es ab 1932 serienmässig einen Stoßdämpfer, der die Aufgabe hat, einen elasti- schen Antrieb herzustellen, was einen bedeutend geringeren Verschleiß von Kette und Kettenrad sowie einen ruhigeren Lauf des Motors ergibt. Am Vergaser wurde eine Starterklappe für leichtes Anspringen angebracht, die mittels einer Zugkette betätigt wurde. Durch das Ziehen schloss die Klappe und der Motor bekam nun ein brennstoff- reicheres Gemisch beim Starten. Auch der Motor wurde im zweiten Produktionsjahr verbessert. Die Lagerung der Kurbelwelle und der Vorgelegewelle wurde verändert und in Verbindung mit einem neuen Abdichtungssystem zwischen Kurbelgehäuse und Kurbelgehäusedeckel eine größere Lebensdauer in den tragenden und reibenden Teilen erreicht. Damit während der Fahrt die Kleidung des Fahrers nicht so verdreckte wurde an der Vorderrad- gabel ein Beinschutz angebracht.

So wurde das Motosulm dann im großen und ganzen bis 1935 unverändert weitergebaut.

Das “Herrenrad” gab es mit kompletter Ausrüstung, einschließlich elektrischer Schwungrad-Zündlicht- Anlage, Scheinwerfer mit Abblendvorrichtung, Starterklappe, extra starken Ballon-Gleitschutz-Reifen, Stoßdämfer, Kettenschutz, Beinschutz, Standstütze, Signalhupe und Rücklicht für nur 175.- Reichsmark. Das Damenrad, ebenso ausgestattet, kostete 190.- Reichsmark. Natürlich gab es auch für das Motosulm eine Sonderausstattung. Allerdings nur 2 Extras bot NSU hier an: Da gab es zum einen eine Rahmenpumpe mit Halter für 1.-RM und einen Kilometerzähler für den man 3.-RM bezahlen musste. Dieser diente nicht vorrangig dazu um zu erfahren wie weit Oberammergau von Unterammergau entfernt ist, sondern sollte vielmehr anzeigen, für wie viele Kilometer das Benzin noch reicht, bzw. wann der nächste Wartungsintervall dran ist. Die Fahrgeschwindigkeit zeigte er nicht an.

Nach der “Reichs-Straßenverkehrs-Ordnung vom 28.Mai 1934 mussten auch Fahrräder mit Hilfsmotor nun mit einem Standlicht versehen werden. Hierfür bot NSU als Nachrüst-Kit das Standlicht IMPEX S 5 an. Die 3,5 Volt Glühlampe von OSRAM leistete 0,2 Ampere und wurde durch eine Trockenbatterie gespeist. Diese befand sich in einem Blechkasten, an dem auch der Schalter angebracht war. Der Batteriekasten für das Herren-Motosulm wurde mit 2 Rohrschellen am oberen Rahmenrohr nahe dem Steuerkopf befestigt. Beim Damen-Motosulm wurde der Batteriekasten mit 2 Befestigungsbügeln unterhalb des Sattels am oberen Teil der Hintergabel angebracht.

Neben der normalem Herren- und Damenausführung wurde auch dieses Transport-MOTOSULM von NSU angeboten. Der Rahmen entspricht äußerlich dem des NSU-Transportfahrrades, Modell 101. Der Korb wurde höher gesetzt, sodass der Motor Platz hatte. Jedoch “leerte” der Nutzer dieses Fahrzeugs oftmals unfrei- willig den “Warenkorb” beim Anfahren bzw. Anhalten, da es extrem kopflastig war und somit sehr schnell umkippte. Oftmals war für den Fahrer ein be- bzw. entladen nur mit Hilfe dritter möglich. Die Bremsen waren wie auch beim “normalen” Motosulm die gleichen wie beim Sulm-Fahrrad (vorn Felgenbremse, hinten Freilaufnabe) und somit hoffnungslos überlasstet, denn der Korb konnte mit rund 75 kg beladen werden. Es wurden nur einige wenige Versuchsmodelle hergestellt, die vorrangig rund um das NSU-Werk von Betrieben genutzt wurden. Der Erfolg blieb dieser Ausführung verwehrt.

 

Das Motorfahrrad MOTOSULM baute man bei NSU bis Ende 1935. Sein Nachfolger wurde die Quick.

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Motosulm Bilder und Daten

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